Glossar zur Thematik "Christlich-Sein in der DDR"
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E
Evangelische Frauenhilfe
Evangelische Frauenhilfe Die Evangelische Frauenhilfe war der Frauenverband innerhalb der Evangelischen Kirchen Deutschland und wurde bereits 1899 gegründet. 1949 wurde er in Ost und West geteilt und erst 1992 wieder zusammengeführt. Trotz der Trennung arbeiteten die Verbände in der DDR und der BRD eng zusammen. Es fanden auch gemeinsame Tagungen und Konferenzen statt. Der Verband bot den Frauen die Möglichkeit, sich im Rahmen der Kirche zusammenzufinden und zu engagieren. Er war auch ein Netzwerk für alle großen und kleinen evangelischen Frauengruppen, die es in der DDR gab. In diesen Frauengruppen beschäftigte man sich mit der Bibel, aber auch mit aktuellen Themen. Von der Zentrale der Evangelischen Frauenhilfe wurden viermal im Jahr so genannte Arbeitshilfen für die Frauenarbeit in den Gemeinden herausgegeben. Außerdem wurden die Frauen aus dem ganzen Land regelmäßig zu Fortbildungen eingeladen. Quellen: https://www.digitales-deutsches-frauenarchiv.de/akteurinnen/evangelische-frauenhilfe-deutschland-efhid , https://de.wikipedia.org/wiki/Evangelische_Frauenhilfe_in_Deutschland | |
Evangelische Kirchenleitungen in der DDRDa die evangelischen Kirchen in der DDR nicht mehr dem gesamtdeutschen Kirchenbund der Evangelischen Kirchen in Deutschland (EKD) angehören durften, wurde 1969 der Bund der Evangelischen Kirchen in der DDR (BEK oder kurz Bund) gegründet. Das war ein Zusammenschluss der 8 evangelischen Landeskirchen. 1970 kam noch die Herrnhuter Brüdergemeinde dazu. Die Kirchen blieben rechtlich selbständig. Geleitet wurde der Bund von der Bundessynode. Das ist ein kirchliches Parlament. Außerdem fanden regelmäßig Konferenzen der Kirchenleitungen statt, an denen Mitglieder der einzelnen Landeskirchen teilnahmen. Quellen: https://www.jugendopposition.de/lexikon/sachbegriffe/148366/bund-der-evangelischen-kirchen-in-der-ddr , https://de.wikipedia.org/wiki/Bund_der_Evangelischen_Kirchen_in_der_DDR | |
F
FDJDie Freie Deutsche Jugend (FDJ) war der Jugendverband der DDR für Jugendliche ab 14 Jahren. In der Sowjetischen Besatzungszone wurde die FDJ 1946 gegründet, angeregt durch die Kommunistische Partei Deutschland (KPD). In der DDR war es das große Ziel der FDJ, die Jugendlichen sozialistisch zu formen. Um Mitglied zu werden, musste man mindestens 14 Jahre alt sein und einen Antrag stellen. Erkennen konnte man die FDJler an ihrem blauen Hemd und an dem typischen Gruß „Freundschaft!“ Die FDJ war allgegenwärtig im Schulalltag und in der Freizeit der Jugendlichen. Es wurden z. B. viele Freizeitaktivitäten organisiert oder Jugendklubs gegründet. Die FDJ gab auch eine Zeitung heraus, die „Junge Welt“. Obwohl die Mitgliedschaft freiwillig war, mussten diejenigen, die nicht in der FDJ waren, mit vielen Nachteilen rechnen. Sie wurden zum Beispiel nicht zum Abitur oder zum Studium zugelassen. Quelle: https://www.zeitklicks.de/ddr/alltag/jugend-in-der-ddr/freie-deutsche-jugend | ||
FriedensdekadeAls Friedensdekade werden die 10 Tage vor dem Buß- und Bettag bezeichnet. Sie wurden 1980 das erste Mal von den Evangelischen Kirchen in der DDR und der BRD begangen. In diesen Tagen gab es Gottesdienste, Gespräche und andere Veranstaltungen, die sich den Themen Frieden und Gerechtigkeit widmeten. Am Ende fand immer ein Gottesdienst mit einer sogenannten Friedensminute statt. Dabei läuteten landesweit die Kirchenglocken gleichzeitig und riefen somit zum Gebet auf. Quelle: https://www.jugendopposition.de/lexikon/sachbegriffe/148391/friedensdekade | |
Friedliche RevolutionEine friedliche Revolution ist ein Aufstand gegen vorherrschende Verhältnisse ohne Gewalt. In der DDR waren die Menschen am Ende der 1980er-Jahre so unzufrieden mit der SED-Regierung, dass es 1989 zu immer mehr Demonstrationen kam. Doch Demonstrationen galten für die Staatsführung als unerlaubte Kritik, weswegen es viele Verhaftungen gab. Dennoch ließen sich die Menschen nicht aufhalten. Sie demonstrierten weiterhin für Meinungsfreiheit, Reisefreiheit, freie Wahlen – Grundrechte, die es in der DDR für 40 Jahren nur auf dem Papier gab. Die größten Demonstrationen 1989 waren die sogenannten Montagsdemonstrationen mit ihren Slogans „Wir sind das Volk!“ und „Keine Gewalt!“. Diese hatten ihren Ursprung in den Friedensgebeten, die seit 1981 immer montags in der Nikolaikirche in Leipzig stattfanden. Die Entwicklung dieser immer wiederkehrenden Montagsdemonstrationen, die auch in vielen anderen Städten stattfanden, wurde später als Friedliche Revolution bezeichnet. Immer mehr Menschen schlossen sich den Demonstrationen an, was dazu führte, dass die Staatsführung den Rückhalt der Bürger*innen verlor und damit auch ihre Macht. Diese gewaltfreien Massenproteste wurden nicht von der Polizei aufgelöst. Sie hatte einen entscheidenden Anteil am Sturz der SED-Regierung und am Umbruch in der DDR. Quellen: https://www.lpb-bw.de/chronologie-mauerfall , https://www.wendewundergeschichte.de/Kirche/Friedliche-Revolution/ Weitere Informationen: https://www.bundesstiftung-aufarbeitung.de/de/vermitteln/bildung/aufbruch-umbruch/friedliche-revolution | |
G
GarnisonkircheAls Garnisonkirche wird eine Kirche bezeichnet, in die das Militär (Garnison) an dem Ort geht, an dem es stationiert ist. Die Garnisonkirche in Potsdam wurde von Friedrich Wilhelm I. beauftragt und von 1730 bis 1735 erbaut. Im 19. Jahrhundert war sie so berühmt, dass viele damals bekannte Menschen in diese Kirche kamen: u. a. Johann Sebastian Bach, Napoleon I. oder der russische Zar Alexander I. Doch ein Jahrhundert später nutzten auch die Nationalsozialisten diesen Ort für sich: So fand am 21. März 1933 – dem „Tag von Potsdam“ die Eröffnungsfeier für den Reichstag dort statt, nach der zum Handschlag von Adolf Hitler und dem Reichspräsidenten Paul von Hindenburg kam. Das Foto davon ging in die Geschichte ein. Im April 1945 wurde die Kirche bei einem Luftangriff getroffen, brannte aus und der Turm stürzte teilweise zusammen. 1949 erhielt die zerstörte Kirche den Namen „Heilig-Kreuz-Kirche“. Sie war nun eine zivile Kirche. 1950 im Turm eine Kapelle geweiht, in der es fortan wieder einen Gottesdienstraum für die Heilig-Kreuz-Gemeinde gab. Obwohl die Gemeinde den Turm und die Kirche wiederaufbauen wollte, wurde der Turm am 23.Juni 1968 auf staatlichen Befehl hin gesprengt. Seit 2017 baut die Stiftung Garnisonkirche Potsdam den Turm wieder auf, um darin einen Begegnungs- und Bildungsort für Geschichte, Demokratie und Versöhnung zu schaffen. Äußerlich fast originalgetreu bietet der Innenraum ein modernes Raumkonzept mit Kapelle, Dauerausstellung und Bildungsforum. Mit dem Turm der Garnisonkirche erhält Potsdam im Sommer 2024 einen das Stadtbild prägenden barocken Kirchturm zurück. Hier sollen die kritische Auseinandersetzung mit Geschichte, Politik und Religion möglich, demokratische Debatten- und Streitkultur gelebt sowie kulturelle Erfahrungen gemacht und friedensstiftende Aktivitäten angeregt werden. Quellen: https://garnisonkirche-potsdam.de/historie/fakten/ , https://de.wikipedia.org/wiki/Garnisonkirche_(Potsdam) | |
GemeindekirchenratEin Gemeindekirchenrat trifft wichtige Entscheidungen, die das Gemeindeleben und die Gottesdienste betreffen. Er kümmert sich außerdem beispielsweise um das Personal, die Bauaufgaben und die wirtschaftlichen Themen einer Gemeinde.
Quelle: https://akd-ekbo.de/gemeindeberatung/gemeindekirchenrat/ , Interview mit Bernd Lechler: Gemeindekirchenrat | |
GenosseEin Genosse oder eine Genossin ist jemand, mit dem man Erfahrungen in einem Bereich teilt und ein gemeinsames Ziel verfolgt. Man kann sich auf ihn bzw. sie verlassen. In der DDR war „Genosse“ oder „Genossin“ eine politische Anrede, die in der SED und im Militär verwendet wurde. Somit war der Begriff für den Großteil der Bevölkerung eher ein negativer. Quellen: https://de.wikipedia.org/wiki/Genosse , https://wehnerwerk.de/aktuell/artikel/neues-erklaervideo-was-ist-ein-genosse/ | |
Glaubensfreiheit DDRGlaubensfreiheit bedeutet, dass man das Recht hat, einer Religion anzugehören und diesen Glauben auszuüben. Offiziell gab es in der DDR Glaubensfreiheit, doch das Verhältnis zwischen den
Kirchen und Glaubensgemeindschaften und dem Staat war schwierig. Privat durfte
man glauben, was man wollte. Es musste aber politisch unverdächtig sein. Sobald
sich Christ*innen vernetzten und sich gegen die SED-Politik aussprachen,
verstand das die Staatsführung als unerlaubte Kritik oder Angriff. Deshalb
hatten es Christ*innen in der DDR in vielen Bereichen schwer. Die christlichen
Kirchen und der Staat hatten zwar beschlossen, dass die Kirchen als
Institutionen unabhängig sein dürfen. Das sah in der Realität aber oft anders aus. Christ*innen wurden teilweise verfolgt, wurden überwacht und wurden in ihrer Ausbildung und Karriere behindert. Wer konfirmiert war, durfte zum Beispiel nicht an die Erweiterte Oberschule gehen, wo man das Abitur ablegte. Damit konnte man dann auch nicht an einer staatlichen Hochschule studieren. Quelle: https://www.wendewundergeschichte.de/Kirche/Religionsfreiheit/ Weitere Informationen: https://d-d-r.de/ddr-bevoelkerung-religionen.html , https://www.demokratie-statt-diktatur.de/stasi-und-die-menschenrechte/gewissensfreiheit/#c16883 , Interview mit Andreas Stegmann: Glaubensfreiheit in der DDR | |
Grenzsicherung1949 kam es in Folge des Zweiten Weltkriegs und der alliierten Besatzung zur Teilung Deutschlands in zwei deutsche Staaten. Auch Berlin war in ein ost- und ein westdeutsches Gebiet eingeteilt. Um die Grenze der DDR zur BRD sowie zu Westberlin zu sichern, wurde schon 1946 eine Grenzpolizei aufgebaut. Ab Mai 1952 wurde die innerdeutsche Grenze mit Zäunen ausgebaut. Eine 5 km breite Sperrzone sollte verhinderten, dass DDR-Bürger*innen über die Grenze gelangen und fliehen konnten. Die Einwohner*innen der Sperrzone wurden streng überwacht und registriert. Wollte man in die Sperrzone, benötigte man einen Passierschein. Nach dem Bau der Mauer 1961 in Berlin wurden auch an der innerdeutschen Grenze die Sicherungsanlagen ausgebaut: Tretminen, Signalzäune und später auch Selbstschussanlagen sollten jeden Fluchtversuch verhindern. Außerdem gab es die Grenztruppen der DDR: 50 000 Soldaten, die politisch sehr zuverlässig sein mussten. Auch sie hatten die Aufgabe, jeden Fluchtversuch zu unterbinden, auch wenn sie dafür auf Menschen schießen mussten. Über 300 Menschen starben an der innerdeutschen Grenze, über 140 an den Grenzanlagen in und um Berlin. Quellen: https://www.hdg.de/lemo/kapitel/geteiltes-deutschland-modernisierung/reformversuche-im-osten/grenzsicherung.html , https://www.grenzdenkmal.com/seite/5204/innerdeutsche-grenze.html | |


