Glossar zur Thematik "Christlich-Sein in der DDR"
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G
Großdemonstration am 4. November 1989 PotsdamAm 4. November 1989 fand die größte
Demonstration in Potsdam vor dem Fall der Mauer statt. Auf dem damaligen „Platz
der Nationen“ (heute Luisenplatz) versammelten sich mehrere Zehntausend
Menschen. Geplant wurde die Aktion vom Neuen Forum. Das war eine DDR-weite
Bürgerbewegung, die sich Anfang September 1989 gegründet hatte. Die
Demonstrant*innen in Potsdam forderten Freiheit, Demokratie, Meinungsfreiheit
und den Rückzug der SED. Das war zu der Zeit auch auf vielen anderen
Demonstrationen in der DDR zu hören. Nur wenige Tage später, am 9. November
1989, kam es zur Öffnung der DDR-Grenzen nach Westberlin – die Mauer war
gefallen.
Quellen: https://www.politische-bildung-brandenburg.de/themen/ddr/revolution-9-november-1989/potsdam-1989 , https://www.potsdamer-demokratiebewegung89.de/potsdam-1989/ | ||
H
Heilig-Kreuz-HausDas Heilig-Kreuz-Haus war das Gemeindehaus der Heilig-Kreuz-Gemeinde. Diese gab es seit 1949 und sie traf sich in der Kapelle im Turm der alten Garnisonkirche. Die Kirche war im II. Weltkrieg stark zerstört worden. 1968 nahm der SED-Staat der Gemeinde das Grundstück weg und der Turm wurde gesprengt. Der neue Treffpunkt wurde das Gemeindehaus in der Kiezstraße. Es wurde umgebaut und vergrößert. Für den Entwurf wurde 1969 ein kleiner Wettbewerb veranstaltet, den Albert Gimsa gewann. Zwischen 1970 und 1974 entstand ein modernes Gebäude mit verschiedenen Räumen, vor allem einem Gottesdienst- und einem Veranstaltungsraum. Auch ein Kindergarten befindet sich bis heute im Heilig-Kreuz-Haus. Quelle: http://lernort-garnisonkirche.de/heilig-kreuz-haus/ | ||
J
JugendweiheDie Jugendweihe war in der DDR eine staatliche Zeremonie, mit der die Jugendlichen in den Kreis der Erwachsenen aufgenommen werden sollten. Das kirchliche Gegenstück dazu ist die Konfirmation. Sowohl Jugendweihe als auch Konfirmation fanden im Alter von 14 Jahren statt. In der DDR wurde die Jugendweihe erstmals 1954 durchgeführt. Dafür mussten die Jugendlichen ein Jahr lang sogenannte Jugendstunden besuchen. Diese wurden meistens in den Schulen durchgeführt. Sie erhielten Unterricht im Sinne der SED-Ideologie, hörten Vorträgen zu und besuchten Museen oder Betriebe. Bei der feierlichen Zeremonie mussten sich die Jugendlichen zum sozialistischen Staat bekennen. Wer nicht an der Jugendweihe teilnahm, musste mit vielen Nachteilen in der Schule und der Ausbildung rechnen. Ein Studium, zum Beispiel, war dann oft nicht möglich. Quelle: https://www.zeitklicks.de/ddr/alltag/jugend-in-der-ddr/die-jugendweihe#content | |
Junge Gemeinde
In der Junge Gemeinde treffen sich junge Christ*innen, die bereits konfirmiert sind. Sie sprechen über Religion, Kultur, aber auch Politik. H Die Junge Gemeinde gab eine eigene Zeitschrift heraus, die „Stafette“. Außerdem hatte sie ein eigenes Abzeichen: eine Weltkugel mit Kreuz. Anfänglich wurden die Jungen Gemeinden von der Staatsführung der DDR geduldet. Aber mit dem Erstarken der Ost-West-Konfrontation im Kalten Krieg wurden sie ab 1952 immer öfter angegriffen, denn sie waren eng mit den Jungen Gemeinden in Westdeutschland verbunden. Dafür wurden sie unter den Verdacht gestellt, Spionage und Sabotage zu betreiben. In den Schulen wurde zum Beispiel das Tragen des Abzeichens verboten. Auch die staatliche Jugendorganisation FDJ hetzte gegen die Jungen Gemeinden. In den Räumlichkeiten der Kirche konnten sich die jungen Christ*innen aber sicher fühlen. Die Jungen Gemeinden blieben bis zum Ende der DDR ein wichtiger Treffpunkt für junge Gläubige. Quelle: https://www.jugendopposition.de/themen/145421/die-junge-gemeinde | |
Junge PioniereDie Jungen Pioniere war eine politische Massenorganisation für Kinder in der DDR. Offiziell hieß sie Pionierorganisation „Ernst Thälmann“ und wurde am 13. Dezember 1948 gegründet. Die Organisation war eng in den Schulalltag eingebunden und sollte helfen, Kinder schon früh im Sinne der SED zu erziehen und deren politische Überzeugungen anzunehmen. Die feierliche Aufnahme der Erstklässler erfolgte immer am Geburtstag der Pionierorganisation. Dann bekamen die Kinder auch ein blaues Halstuch. Das war sehr begehrt, denn es war das Erkennungszeichen. Etwa 98 Prozent der Schüler*innen waren Junge Pioniere. In der 4. Klasse wurde man dann Thälmann-Pionier und bekam ein rotes Halstuch als Erkennungszeichen, das man bis zur 7. Klasse behielt. Danach konnte man in die FDJ (Freie Deutsche Jugend) eintreten. Die Pioniere veranstalteten viel in der Freizeit: Es wurde gebastelt, gemeinsame Aktionen geplant und für andere sozialistische Länder gesammelt, in denen es den Menschen nicht gut ging. Außerdem gab es Pionierferienlager. Der Aufenthalt war kostenlos. Man durfte aber nur dorthin, wenn man besonders gute schulische Leistungen erbracht hatte. Der Slogan der Pioniere war "Für Frieden und Sozialismus: Seid bereit!" Der*Die Lehrer*in begrüßte die Schüler*innen mit „Seid bereit!“, worauf diese antworteten, „Immer bereit!“ Quelle: https://www.zeitklicks.de/ddr/alltag/kindheit-in-der-ddr/junge-pioniere/ weitere Infos: https://www.jugendopposition.de/148452/ | |
JungscharAls Jungschar wird die Kirchenarbeit für Kinder zwischen 9 und 13 Jahren bezeichnet. Ihr Logo ist das Ankerkreuz. Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Jungschar | |
K
Karrieren/BildungswegeAls Christ*in in der DDR hatte man
es sehr schwer, beruflich weit zu kommen. Schule, Ausbildung, Studium und
Arbeit – alles war fast komplett vom SED-Staat organisiert und kontrolliert.
Und auf dem Lebensweg wurden oft Anpassung und Bekenntnisse zum Staat verlangt.
Christ*innen aber bekannten sich lieber zu ihrem Glauben und ihrer Kirche. Wer
sich beispielsweise für die Konfirmation statt für die staatlich organisierte
Jugendweihe entschied, wurde oft nicht zum Abitur und damit zum Studium
zugelassen. Auch viele Berufszweige waren einem verschlossen. Christ*innen
konnten zum Beispiel keine Lehrer*innen werden oder in einer leitenden Position
sein. Als Christ*in galt man als politisch und ideologisch unzuverlässig. Wer
doch Lehrer*in oder Erzieher*in werden wollte, ließ sich von einer christlichen
Organisation ausbilden. Das bedeutete allerdings geringes Ansehen und einen
geringeren Verdienst.
Quellen: https://www.uni-erfurt.de/katholisch-theologische-fakultaet/fakultaet/aktuelles/theologie-aktuell/gedenken-an-sed-unrecht-wie-wurden-christinnen-und-christen-in-der-ddr-diskriminiert ; https://www.katholisch.de/artikel/10802-christen-waren-keine-gleichberechtigten-buerger weitere Informationen: Interview Andreas Stegmann: | ||
Katechet*inAls Katechet*in bezeichnet man eine*n Religionslehrer*in der evangelischen oder römisch-katholischen Kirche. In der DDR unterrichteten Katechet*innen nicht in den Schulen, sondern in den Kirchgemeinden, da der Religionsunterricht an den Schulen nicht mehr möglich war. Quellen: https://de.wikipedia.org/wiki/Katechet | |
Kinderdiakon*inEin*e Diakon*in ist ein*e Mitarbeiter*in in der Kirche, der*die sowohl im sozialen wie auch im theologischen Bereich ausgebildet ist. In der DDR durften Christ*innen zum Beispiel keine staatliche Ausbildung zum*zur Kindergärtner*in machen. Stattdessen konnten sie die kirchliche Ausbildung zum*zur Kinderdiakon*in machen und an einem christlichen Kindergarten arbeiten. Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Diakon#Evangelische_Kirchen | |
Kirche im SozialismusAls
„Kirche im Sozialismus“ bezeichnete sich die Evangelische Kirche in der DDR ab
1971.
Da die DDR ein grundsätzlich religionsfeindlicher Staat war, hatten es Christ*innen nicht leicht und wurden oft benachteiligt, trotz Glaubensfreiheit. Die evangelische Kirche in der DDR, die noch zu Beginn gegen die Politik des Staates war, versuchte sich mit diesem zu arrangieren. Sie versuchte, in der DDR zu existieren, auch um Verbesserung für die Gesellschaft zu bewirken. Mit dem Konzept „Kirche im Sozialismus“ machte man deutlich, dass man nicht gegen und auch nicht für den Sozialismus war, sondern, dass man in dem sozialistischen Staat mitgestalten wollte. Dadurch war die evangelische Kirche auch gleichzeitig ein Sprachrohr für diejenigen in der Gesellschaft, die nicht öffentlich ihre Meinung äußern konnten. Das ging so weit, dass die evangelische Kirche in den 1980er-Jahren Themen wie Menschenrechte, Umweltschutz und Frieden offen ansprach. Dadurch änderte sich aber ihre Stellung wieder: Denn damit kritisierte sie nun die Politik offen und stellte sich damit oft auch gegen den Staat. Quelle: https://www.staatslexikon-online.de/Lexikon/Kirche_im_Sozialismus weitere Informationen: Interview mit Andreas Stegmann: | |


