Glossar zur Thematik "Christlich-Sein in der DDR"
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K
Kirchenpolitik (der SED)Die Kirchenpolitik der SED wandelte
sich im Laufe der DDR-Zeit immer wieder.
Laut der Verfassung der DDR von 1949 waren Kirchen und die Religionsausübung für die Gläubigen erlaubt. Die Christlichen Kirchen blieben eigenständige Organisationen und wurden nicht vom Staat organisiert. Grundsätzlich aber lehnte die SED-Führung Religionen ab. Die Gründe hierfür sind zum einen, dass der Kommunismus, also die Ideologie der DDR, lehrt, dass es keinen Gott gibt. Zum anderen lag es auch daran, dass die Kirche ein Mitspracherecht bei gesellschaftlichen Fragen forderte. In den 1950er-Jahren war es sehr schwierig für die Christlichen Kirchen in der DDR. Sie wurde in ihrer Verwaltung eingeschränkt, die Kirchensteuern wurden gestrichen. Und die Kirchengemeinden, die Kontakt in den Westen hielten, gerieten unter Spionagevorwurf. Es kam zu einer regelrechten Christenverfolgung, da man Kritik und Widerstand aus den Reihen der Christen befürchtete: Pfarrer*innen kamen ins Gefängnis. Junge Christ*innen wurden gedrängt, sich der staatlichen Jugendorganisation FDJ anzuschließen. Wer nicht von seinem Glauben abrückte, musste mit Nachteilen in Schule und Beruf rechnen. Viele Christ*innen flohen in den Westen. In den 1960er-Jahren änderte sich Situation der Kirchen. Es kam zu einem scheinbar friedlichen Nebeneinander. Durch den Bau der Mauer 1961 fühlte sich die SED in ihrer Position und Macht gesichert. Dadurch kam es auch zu weniger Konflikten mit den Kirchen. In den 1970er-Jahren versuchte sich die Evangelische Kirche sogar gegenüber dem Sozialismus zu öffnen. Man strebte eine Partnerschaft zwischen Kirche und Staat an. Dieser scheinbare Frieden änderte sich in den 1980er-Jahren wieder. Die Kirche wurde nun zum Schutzraum der Opposition und Ausreisewilligen. Das heißt, dass sich in den Gemeinden nun viele Menschen versammelten, die gegen die Staatsführung waren. Es kam wieder zu mehr Konflikten und zu Gewaltaktionen von Seiten der Polizei und der Staatssicherheit. Quelle: https://www.stasi-unterlagen-archiv.de/mfs-lexikon/detail/kirchen-bekaempfung-und-infiltration-der/ , Interview mit Andreas Stegmann: Weitere Infos: https://www.wendewundergeschichte.de/Kirche/Einfluss/ ; https://www.wendewundergeschichte.de/Kirche/Staat-vs-Kirche/ | |
Kirchliches OberseminarVon 1950 bis 1990 war das heutige Evangelische Gymnasium Hermannswerder das Kirchliche Oberseminar in der DDR. Hier konnten junge Christ*innen das Abitur machen, um damit Theologie zu studieren. Da man als Christ*in oft nicht zum staatlichen Abitur auf der Erweiterten Oberschule zugelassen wurde, waren solche Schulen wie das Oberseminar Hermannswerder die einzige Möglichkeit, dennoch die Allgemeine Hochschulreife zu erlangen. Quelle: https://www.tagesspiegel.de/potsdam/landeshauptstadt/als-manfred-stolpe-nickte-7631515.html Weitere Infos: https://www.evgym.de/schule/geschichte-der-schule/ ; https://de.wikipedia.org/wiki/Evangelisches_Gymnasium_Hermannswerder | |
KombinatDie Kombinate in der DDR waren Zusammenschlüsse von staatlichen Betrieben – sogenannten Volkseigenen Betrieben (VEB). In einem Kombinat kamen Betriebe zusammen, die die gleichen Dinge herstellten oder verkauften. Man fasste also Herstellung, Vertrieb und Forschung in einem Großunternehmen zusammen. Damit sollte die DDR in der Weltwirtschaft mithalten können. Das gelang nur teilweise. Das lag zum einen daran, dass viele Betriebe schon stark veraltet waren und zum anderen, dass die Kombinate von der Regierung stark überwacht wurden. Dadurch wurde ein eigenständiger Fortschritt nur schwer möglich. Quellen: https://www.mdr.de/geschichte/ddr/wirtschaft/planwirtschaft-kombinate-alles-unter-einem-dach-100.html ; https://de.wikipedia.org/wiki/Kombinat | |
Kommunismus in der DDRDie Idee des Kommunismus stammt von Karl Marx (1818 – 1883). Er wollte, dass allen Menschen alles zu gleichen Teilen gehört. Es sollten alle gleichgestellt sein und kein Mensch allein sollte über andere herrschen. Er beschrieb eine Gesellschaftsform, in der alle gleich sind, es keinen Privatbesitz mehr gibt und vor allem keinen Staat und keine Regierung mehr. Die Umsetzung war allerdings nicht so optimal. In der DDR waren zum Beispiel nicht alle Menschen gleich. Die SED bestimmte, was getan und auch, was gedacht werden sollte. Wer sich nicht daran hielt, gegen den ging der Staat vor. Um also als „gleich“ behandelt zu werden, musste man sich dem Staat im Denken und Handeln anpassen. Vielfalt sollte es nicht geben dürfen. Quelle: https://www.kinderweltreise.de/lexikon/k/kommunismus/ | |
KonfirmationMit der Konfirmation bekennen sich junge Christ*innen zu ihrem Glauben. In einem festlichen Gottesdienst werden sie in die Gemeinde aufgenommen. In der DDR wurde 1954 das staatliche Gegenangebot zur Konfirmation eingeführt: die Jugendweihe. In der DDR hatte es einige Nachteile, wenn man sich konfirmieren ließ. Man konnte oft nicht auf die Erweiterte Oberschule (EOS) gehen, kein Abitur machen, nicht studieren. Somit war auch die Berufswahl eingeschränkt. Manche wurde auch in der Schule benachteiligt oder lächerlich gemacht. Es war aber möglich, mit 14 Jahren die Jugendweihe zu erhalten und ein Jahr später die Konfirmation. Viele Jugendliche entschieden sich für diesen Weg. Quelle: https://www.ekd.de/Konfirmation-11035.htm | |
M
MahnwacheEine Mahnwache ist eine friedliche Demonstration, bei der auf ein bestimmtes politisches Anliegen aufmerksam gemacht werden soll. Die wohl wichtigste Mahnwache in der DDR-Zeit begann am 2. Oktober 1989 in der Gethsemane-Kirche in Berlin-Prenzlauer Berg. Junge Oppositionelle suchten einen geeigneten Ort, um eine Mahnwache für politische Gefangene aus Leipzig und anderen Orten abzuhalten. Pfarrer Werner Widrat stellte dafür die Gethsemane-Kirche zur Verfügung. Immer mehr Menschen schlossen sich der Mahnwache an. Die Forderungen „Freiheit für die politisch Inhaftieren“ und „Wachet und betet für die zu Unrecht Inhaftierten“ waren auf Transparenten über dem Portal der Kirche zu lesen. Die Mahnwache fand Tag und Nacht statt. Am 7. Oktober, am 40. Jahrestag der Gründung der DDR kam es in vielen Städten in der DDR zu heftigen Auseinandersetzungen zwischen den Demonstrant*innen gegen die SED-Führung und der Polizei. In Berlin fanden die Demonstrierenden u. a. in der Gethsemane-Kirche Zuflucht vor der Polizei. Hier trafen sich auch Angehörige der Verhafteten, Journalist*innen und Fernsehteams aus aller Welt. Die Kirche wurde somit zu einer Art Kontakt- und Nachrichtenzentrale. Quelle: https://www.jugendopposition.de/themen/herbst89/145461/mahnwache-gethsemanekirche?video=145206 Weitere Infos: https://www.jugendopposition.de/node/148331 | |
Manfred StolpeManfred Stolpe war Jurist und Kirchenpolitiker. Er wurde 1937 in Stettin geboren und starb 2019 in Potsdam. Nach dem Abitur 1955 studierte er von 1955 bis 1959 Jura in Jena. Bereits 1959 schlug er eine kirchliche Verwaltungslaufbahn ein. Er war unter anderem von 1962 bis 1969 Leiter der Geschäftsstelle der Konferenz der Evangelischen Kirchenleitung in der DDR. Außerdem war er 1969 an der Gründung des Bundes der evangelischen Kirchen in der DDR (BEK) beteiligt. 1976 wurde er Mitarbeiter der Menschenrechtskommission des Weltkirchenrates. Nach der Wiedervereinigung wurde er Politiker für die Sozialdemokratische Partei SPD. 1990 bis 2002 war Manfred Stolpe Ministerpräsident von Brandenburg. Er sah seine Rolle als ranghoher Vertreter der evangelischen Kirchen in der DDR darin, Kontakt mit verschiedenen staatlichen Stellen, auch mit der Staatssicherheit, herzustellen und mit diesen zu reden. Dabei sollte es darum gehen, zu überlegen, was die Kirche für die Menschen in der DDR tun kann. Außerdem wurden bei den Gesprächen auch organisatorische Fragen und noch Vieles mehr geklärt. Aufgrund dieser Kontakte machte man ihm nach 1990 den Vorwurf, er sei informeller Mitarbeiter (IM) des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS) gewesen. Er selbst stritt seine Zusammenarbeit mit der Stasi ab. Quellen: https://www.politische-bildung-brandenburg.de/themen/neuanfang-brandenburg/interviews-mit-den-protagonisten/manfred-stolpe ; https://www.politische-bildung-brandenburg.de/dr-manfred-stolpe ; http://www.stasiopfer.com/stolpe.html Weitere Infos: https://www.deutschlandfunk.de/ein-mann-der-kirche-100.html | |
Märker/Mark BrandenburgDie Mark Brandenburg wurde 1157 gegründet. Es handelt sich hierbei um das Gebiet um die Brendanburg (Brandenburg) an der Havel. Ein Teil der früheren Mark Brandenburg gehört zum heutige Bundesland Brandenburg. Die Bewohner*innen der Mark Brandenburg nannten sich Märker. Ein Teil der früheren Mark Brandenburg gehört zum heutige Bundesland Brandenburg. Quellen: https://www.brandenburg.de/cms/detail.php/bb1.c.475256.de ; https://kulturstiftung.org/zeitstrahl/die-begruendung-der-mark-brandenburg | |
MfS/Staatssicherheit/StasiDas Ministerium für Staatssicherheit (MfS) oder kurz Staatssicherheit (Stasi) wurde 1950 gegründet. Das MfS sah sich als „Schild und Schwert“ der SED. Die Stasi war für die Erhaltung der Macht der Partei zuständig. Sie hatte die Aufgabe, tatsächliche und mögliche Gegner*innen und Kritiker*innen der Staatsführung aufzuspüren und zu bestrafen. Dafür standen Untersuchungsgefängnisse, Waffen und ein eigenes Regiment aus Soldaten zur Verfügung. Ab den 1970er-Jahren wurden mehr und mehr auch die DDR-Bürger*innen überwacht, um mögliche Kritik bereits im Voraus zu erkennen. Die Überwachung fand nun in allen Lebensbereichen statt. Es gab Hauptamtliche Mitarbeiter. Sie mussten politisch zu 100% hinter der SED stehen. Um aber zu gewährleisten, dass die Bevölkerung möglichst überall und unauffällig bespitzelt werden konnte, gab es auch sogenannte Inoffizielle Mitarbeiter*innen (IM), die aus der Gesellschaft angeworben wurden. Sie wurden überall eingeschleust und gaben alle Informationen an die Stasi weiter. Das Ende der SED brachte auch das Ende der Stasi mit sich. Kurz vor der Maueröffnung im November 1989 gab es noch den Befehl, sämtliche Unterlagen und Akten zu vernichten. Dies wurde aber von Bürger*innen verhindert. Quelle: https://www.stasi-unterlagen-archiv.de/informationen-zur-stasi/themen/was-war-die-stasi/ Weitere Infos: https://www.planet-wissen.de/geschichte/ddr/das_leben_in_der_ddr/pwiediestasi100.html | |


