Glossar zur Thematik "Christlich-Sein in der DDR"
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M
militärische ErziehungAb dem Schuljahr 1978/79 wurde in
der DDR der Wehrunterricht Pflichtfach für die 9. und 10. Klasse. Im
theoretischen Teil, der in der Schule stattfand, wurde militärisches
Grundwissen vermittelt. Zusätzlich mussten die Jungen noch ein zweiwöchiges
Wehrlager absolvieren. Dort lernten sie u. a. den Umgang mit Waffen im freien
Gelände. Es war der Versuch der SED, schon die Jugendlichen zu militarisieren, das heißt, sie auf einen späteren Einsatz als Soldaten vorzubereiten. Die Teilnahme am Wehrlager war keine Pflicht, aber eine Verweigerung wurde nicht gut aufgenommen. Die Eltern der Kinder, die nicht teilnehmen wollten, galten als politisch unzuverlässig und wurden daraufhin von der Stasi überwacht. Wer nicht teilnehmen konnte (medizinische Gründe) oder wollte, musste die Ausbildung zur Zivilverteidigung zusammen mit den Mädchen absolvieren. Dort wurden Erste Hilfe und Maßnahmen zur Evakuierung (Räumung eines Gebietes von Menschen) gelehrt. Bei den vielen Eltern kam der Wehrkundeunterricht nicht gut an. Auch die christlichen Kirchen legten Protest dagegen ein. Quelle: https://www.zeitklicks.de/zeitstrahl/1978/wehrkundeunterricht-wird-in-der-ddr-pflichtfach Weitere Infos: https://geschichte-wissen.de/blog/zeitzeugenbericht-die-vormilitaerische-ausbildung-in-der-ddr/ | |
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Otto DibeliusOtto Dibelius war ein deutscher Bischof, der von 1880 bis 1967 in Berlin gelebt hat. Bereits 1918 wurde er Geschäftsführer der evangelischen Kirche in Preußen. Otto Dibelius war antidemokratisch und befürwortete 1933 den Wahlsieg der NSDAP. Als führender evangelischer Geistlicher hielt er am sogenannten Tag von Potsdam am 21. März 1933 die Festrede auf den neuen Reichstag in der Potsdamer Nikolaikiche. Dennoch entließ ihn das NS-System im Juni 1933, um sein Amt mit einem NS-getreuen Theologen zu besetzen. Dibelius wurde in den vorzeitigen Ruhestand versetzt und erhielt Schreib- und Predigtverbot. 1934 schloss er sich der Bekennenden Kirche an. Das war eine Oppositionsbewegung evangelischer Christen gegen die Gleichschaltung der Kirche mit dem Nationalsozialismus. In den Kriegsjahren veränderten Augenzeugenberichte über die Morde an Juden und Jüdinnen in den Kriegsgebieten im Osten seine bis dahin antijüdische Einstellung. Einige Jahre zuvor hatte er sich noch als Antisemit bezeichnet. Nach Ende des Zweiten Weltkrieges wurde Otto Dibelius 1945 Bischof der Berlin-Brandenburgischen Kirche. Eines seiner wichtigsten Themen war die Militärvorsorge in der neugegründeten Bundeswehr der Bundesrepublik. Die DDR-Regierung hingegen lehnte es ein Abkommen zur Militärvorsorge in ihrer Nationalen Volksarmee (NVA) ab. Otto Dibelius war strikt antikommunistisch. 1951 schrieb er sogar an Stalin und protestierte gegen die SED-Gewaltherrschaft. Ab 1957 verweigerte man ihm die Einreise in die DDR. Nach dem Mauerbau 1961 durfte er auch nicht mehr nach Ostberlin einreisen. Quelle: https://www.kas.de/de/web/geschichte-der-cdu/personen/biogramm-detail/-/content/otto-dibelius-v1 Weitere Infos: https://www.dhm.de/lemo/biografie/otto-dibelius | |
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Polytechnische Oberschule (POS)Polytechnische Oberschule (POS) war die Bezeichnung für die Schulform in der DDR, die von der 1. bis zur 10. Klasse ging. Die Einschulung erfolgte immer am 1. September. Die POS war in drei Stufen untergliedert: Unter-, Mittel- und Oberstufe (1. – 3. Klasse, 4. – 6. Klasse, 7. – 10. Klasse). Die Kinder der Unterstufe gingen nach dem Unterricht zur Betreuung in den Hort. Mit der Einschulung wurden die meisten Kinder auch Mitglied bei den Jungen Pionieren. Das Wort „polytechnisch“ im Namen bedeutet, dass viel Wert auf Praxisbezug gelegt wurde. Die Kinder sollten schon früh mit der Arbeitswelt vertraut gemacht werden. In der 1. bis 6. Klasse erhielten sie Werkunterricht und arbeiteten im Schulgarten. Ab der 7. Klasse kamen die Fächer Einführung in die sozialistische Produktion (u. a. Kenntnisse in Elektronik, Informatik und Konstruktion), Technisches Zeichnen (Grundlagen für Konstruktionszeichnungen ) und Produktive Arbeit (Schüler*innen arbeiteten einmal in der Woche in einem Betrieb in der Industrie oder in der Landwirtschaft) hinzu. Wer auf die Erweiterte Oberschule (EOS) gehen wollte, musste neben Russisch auch eine weitere Fremdsprache lernen. Ab der 7. Klasse begann der Unterricht in Staatsbürgerkunde und ab der 9. Klasse (ab 1978) auch Wehrkunde. Die Schüler*innen hatten damals auch samstags Unterricht, dafür gab es 8 Wochen Sommerferien. Quelle: https://www.zeitklicks.de/ddr/alltag/kindheit-in-der-ddr/in-der-schule/ | ||
Potsdamer FriedenskreisSeit den 1970er-Jahren entstanden in den Kirchengemeinden der DDR immer mehr Gruppen, die von Gemeindemitgliedern organisiert wurden. Diese Gruppen arbeiten zu bestimmten Themen und sprachen oft auch Menschen außerhalb der Kirchgemeinde an. In den 1980er-Jahren wurde das Thema „Frieden“ besonders wichtig. So entstanden auch die sogenannten Friedenskreise, deren Mitglieder oft aus unterschiedlichen evangelischen und katholischen Gemeinden kamen. Sie bezogen Menschen von außerhalb der Kirche mit ein und organisierten über mehrere Jahre hinweg verschiedene Projekte, führten Friedensandachten durch und organisierten die Friedensdekaden im November. In Potsdam gründete sich 1984 ein Friedenskreis aus etwa 20 Mitgliedern, die sich regelmäßig trafen, u. a. im Heilig-Kreuz-Haus. Sie arbeiteten zu den Themen Frieden, Gerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung und organisierten verschiedene Aktionen oder nahmen daran teil. Eine wichtige Aktion war 1985 zum Beispiel eine, bei der Geistliche aus den USA, der Sowjetunion, Frankreich und Großbritannien eingeladen wurden, um über eine neue Friedensordnung zu diskutieren. Die Zusammensetzung des Potsdamer Friedenskreises war etwas Besonderes, da hier viele Wissenschaftler*innen und Personen in hohen kirchlichen Stellungen dabei waren. Der Kreis setzte auch auf den Dialog mit Vertretern des Staates und der SED. Das machte ihn aber für die Stasi auffällig, die ihn als gefährlich einstufte. Die Mitglieder waren sich bewusst, dass eventuell Spitzel eingeschleust wurden. Um Misstrauen untereinander zu vermeiden, ging man sehr offen miteinander um und sprach über alles.
Quelle:
http://lernort-garnisonkirche.de/heilig-kreuz-haus/ , Interview Andreas Stegmann: Interview Ehepaar Kaula: | |
R
ReisebeschränkungenZu den Allgemeinen Menschenrechten gehört die Reisefreiheit. Sie besagt, dass jeder Mensch das eigene Land verlassen und auch wieder betreten darf. Das Recht auf Reisefreiheit gab es in der Verfassung der DDR nicht. Schon wer eine Reise nach Westdeutschland plante, machte sich verdächtig. Es wurde befürchtet, dass die Person sich im Ausland kritisch über die DDR äußern könnte oder sogar nicht mehr zurückkehrte. In den 1950er-Jahren flohen noch Zehntausende DDR-Bürger*innen in die BRD. Nach dem Bau der Mauer 1961 war dies nicht mehr möglich. Versuchte man ohne staatliche Genehmigung über die Grenze zu gelangen, beging man eine Straftat, die als „ungesetzlicher Grenzübertritt“ bezeichnet wurde. Wer unbedingt in den Westen reisen wollte, musste einen Ausreiseantrag stellen, der aber nur in wenigen, begründeten Fällen genehmigt wurde. Wichtige war, dass man als ideologisch zuverlässig galt, d. h. voll und ganz hinter der Politik der SED stand. Quellen: https://www.demokratie-statt-diktatur.de/stasi-und-die-menschenrechte/reisefreiheit/#c16418 ; https://www.jugendopposition.de/lexikon/sachbegriffe/148609/reisefreiheit | |
ReservistendienstAls Reservist galt in der DDR jeder wehrpflichtige Mann bis zum vollendeten 50. Lebensjahr, egal ob er bereits gedient hatte oder nicht. Außerdem zählten auch Offiziere bis zum vollendeten 60. Lebensjahr als Reservisten. Sie bildeten die Reserve der Nationalen Volksarmee, d. h., sie mussten im Falle eines Krieges mit in den Kampf ziehen. Festgelegt wurde diese Regelung 1962 im Gesetz über die allgemeine Wehrpflicht. Wer als untauglich ausgemustert wurde oder vom Wehrdienst ausgeschlossen wurde, galt nicht als Reservist. Es gab den sogenannten Reservistenwehrdienst. Dabei wurden Reservisten zur Ausbildung oder Übung einberufen. Dafür mussten sie von der Arbeit freigestellt werden und es durften ihnen keine Nachteile entstehen. Quelle: http://www.documentarchiv.de/ddr/1962/nva-reservistenordnung_ao.html | |
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Schutzraum KircheIn den 1980er-Jahren wurden die christlichen Kirchen in der DDR zum Schutz- und Aktionsraum für Menschen, die sich für Umwelt, Menschenrechte und Frieden einsetzen wollten. Es bildeten sich verschiedene Gruppen, zu denen auch Nichtchrist*innen zählten. Die Kirchen waren für Friedensgruppen und andere der ideale Ort. Zum einen boten sie Versammlungsräume, Heizung, Küche, Toiletten etc. Zum anderen war man hier relativ sicher vor Zugriffen durch die Polizei. Sollte diese einmal auf solch eine Versammlung aufmerksam geworden sein, konnte der Pfarrer dort anrufen und erklären, dass es eine kirchliche Veranstaltung sei und die Polizei dort nicht erwünscht sei. Solang die Anliegen der Oppositionsgruppen also irgendwie in Verbindung mit dem kirchlichen Auftrag gebracht werden konnten, konnten die Pfarrer diese immer unterstützen und gegenüber den staatlichen Stellen rechtfertigen. Quelle: https://www.politische-bildung-brandenburg.de/themen/ddr/revolution-9-november-1989/potsdam-1989 , Interview Andreas Stegmann: | |
Schwerter zu Pflugscharen„Schwerter zu Pflugscharen“ war das Symbol der Friedensbewegung in der DDR, die sich seit Ende der 1970e-Jahre entwickelte. Ausgangspunkt der (weltweiten) Friedensbewegung war der Kampf gegen das Wettrüsten der Großmächte USA und Sowjetunion. In den Medien der DDR wurde die militärische Aufrüstung des Ostblocks damit gerechtfertigt, dass man nur mit Waffen (auch Atomwaffen) den Frieden verteidigen könne. Die Idee zu dem Symbol geht auf zwei Quellen zurück: Zum einen auf den Propheten Micha aus dem Alten Testament. Er hatte die Idee einer friedlichen Zukunft, in der Schwerter nicht mehr benötigt werden und, statt zum Kämpfen, zur Feldarbeit genutzt werden können. Zum anderen wurde das Symbol in den 1950er-Jahren von der Sowjetunion verwendet. Sie ließ sogar eine Statue anfertigen, die einen Schmied zeigt, der ein Schwert zu einer Pflugschar umschmiedet. Diese Statue war ein Geschenk an die UNO, die sie vor ihrem Hauptgebäude in New York aufstellte. Das Symbol schien also lange auch in das kommunistische Weltbild zu passen. Die SED akzeptierte, dass es in der Öffentlichkeit gezeigt wurde. Zu Beginn der 1980er-Jahre nutzten es dann die evangelische Kirchen in der DDR für ihre Friedensarbeit. Man ließ es tausendfach auf Stoff drucken und verteilte es in der Bevölkerung. Vor allem Jugendliche nähten sich das Symbol auf ihre Jacken und Taschen. Damit hatte die SED-Führung die Deutungsmacht über das Symbol verloren und verstand es nun als Kritik gegen ihre Friedenspolitik. Sie ließ das öffentliche Tragen des Aufnähers verbieten. Schüler*innen wurde der Aufnäher von der Polizei von Jacken und Taschen gerissen oder diese eingezogen. Manche Jugendliche wurden deswegen auch verhaftet. Quelle: Interviews mit Andreas Stegmann , weitere Infos: https://www.jugendopposition.de/themen/145310/schwerter-zu-pflugscharen ; https://www.jugendopposition.de/themen/145332/friedensbewegung-in-der-ddr | |
Sozialistische PersönlichkeitDie sozialistische Persönlichkeit war das Ziel der SED bei ihrer Erziehung der Menschen zu treuen Staatsbürgern. Dabei verbreitete sie ein idealisiertes sozialistisches Menschenbild.
Folgende Eigenschaften und
Fähigkeiten sollte eine sozialistische Persönlichkeit haben, die zum Wohle des
Staates eingesetzt werden sollten: vielseitiges Wissen und Können, ausgeprägtes
sozialistisches Bewusstsein, , moralisches Verhalten nach sozialistischen
Maßstäben und insgesamt eine positive und optimistische Lebensauffassung. Sie
sollte zudem arbeitsam, stets diszipliniert, kulturell und sportlich
interessiert sein. Die kapitalistischen Verhältnisse sollten überwunden werden
um eine gerechte, soziale und freie Gesellschaft zu erschaffen. Die
Individualität spielte dabei keine Rolle. Die gesellschaftlichen Interessen
sollten über die persönlichen gestellt werden. Alle staatlichen Einrichtungen
trugen dazu bei. Quellen: https://www.bpb.de/themen/bildung/dossier-bildung/230382/wie-der-sozialistische-staat-die-bildungseinrichtungen-praegte/ ; https://bildungsserver.berlin-brandenburg.de/fileadmin/havemann/docs/material/9_M.pdf weitere Infos: https://profession-politischebildung.de/grundlagen/geschichte/ddr-erziehung/ | |


