Glossar zur Thematik "Christlich-Sein in der DDR"
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S
Sprengung der GarnisonkircheDie Garnisonkirche in Potsdam wurde im April 1945 bei einem Luftangriff getroffen, brannte aus und der Turm stürzte teilweise zusammen. 1949 erhielt die zerstörte Kirche den Namen „Heilig-Kreuz-Kirche“. Es war nun eine zivile Kirche. 1950 wurde die Kapelle im Turm geweiht. Somit gab es wieder ein Gotteshaus für die Heilig-Kreuz-Gemeinde. Die Gemeinde wollte den Turm und die Kirche weiter sichern und sanieren, doch der Staat stoppte das Sanierungsvorhaben. Nachdem die Gemeinde erfuhr, dass der Turm gesprengt werden sollte, kämpfte sie noch dagegen an, doch vergebens. Der Turm wurde am 23. Juni 1968 gesprengt, nachdem die erste Sprengung misslang. Die Gründe dafür, dass Kirchentürme abgerissen oder gesprengt werden sollten, nannte der SED-Vorsitzende Walter Ulbricht bereits 1952 in seiner sogenannten „Turmrede“: Die städtischen Gebäude, wie Rathäuser oder Kulturhäuser, sollen schöne Türme bekommen. Die Türme von Kirchen brauche man dagegen nicht mehr. Quellen: https://www.tagesspiegel.de/potsdam/landeshauptstadt/untergang-eines-wahrzeichens-7827193.html ; https://garnisonkirche-potsdam.de/aktuell/news/detail/sie-haben-alles-in-schutt-und-asche-gelegt/ ; https://wissen.garnisonkirche.de/wissensspeicher/detailansicht/walter-ulbrichts-turmrede/ weitere Infos: https://wissen.garnisonkirche.de/wissensspeicher/detailansicht/walter-ulbrichts-turmrede/ ; https://wissen.garnisonkirche.de/wissensspeicher/detailansicht/die-letzten-farbfotos-der-garnisonkirche-potsdam/ | |
Staatliche Nachrichten/ZensurSämtliche Medienerzeugnisse in der DDR, ob Publikationen wie Zeitungen oder Bücher, Radio- oder Fernsehsendungen, wurden vom Staat kontrolliert. Das nennt man Zensur. Bis 1949 stand in der Verfassung der DDR, dass keine Zensur stattfinde. Dieser Artikel wurde aber 1969 gestrichen. Die Zensur wurde von staatlichen und regionalen Behörden und vom Ministerium für der Staatssicherheit durchgeführt. Es wurden sogar Gesetze geschaffen, um unerwünschte Äußerungen bestrafen zu können. Die Massenmedien wurden von der Abteilung Agitation (Stasi) gelenkt. Agitation bedeutet Beeinflussung von anderen. Von dieser Abteilung wurde alles vorgegeben, was in Zeitungen, Radio und Fernsehen berichtet wurde. Ab Dezember 1952 gab es die tägliche Nachrichtensendung „Aktuelle Kamera“, die verkündete, was die Staatsführung vorgab und die SED-Politik stets als richtig und erfolgreich bewertete. Kritik an den politischen Entscheidungen war hingegen nicht zu hören oder zu lesen. Es wurde nichts über Probleme bei der Versorgung bspw. mit Lebensmittel, in der Wirtschaft usw. gemeldet. Also nichts, was dem Ansehen des Staates geschadet hätte, sondern nur das, was den Interessen der Herrschenden genutzt hat. Eine politische Opposition war nicht erlaubt. Die Zensur geriet aber unter anderem an ihre Grenzen, weil viele DDR-Bürger*innen Radio- und später TV-Sendungen aus der BRD empfangen konnten und dort natürlich andere Dinge hörten und sahen, als in der DDR. Sie konnten sich so auch aus einer anderen Perspektiven ein Urteil über das Weltgeschehen bilden. weitere Infos: https://www.bpb.de/themen/medien-journalismus/deutsche-fernsehgeschichte-in-ost-und-west/245391/fernseh-nachrichtensendungen/ ; https://www.zeitklicks.de/ddr/das-system/ueberwachung-und-unterdrueckung/zensur/ | |
StudierendengemeindeÜberall in der DDR, wo studiert werden konnte, gab es Studierendengemeinden (damals „Studentengemeinden“) der Kirchen, sowohl katholische, als auch evangelische. Es waren geschützte Orte, an denen man sich versammeln, diskutieren und auch über Probleme mit dem Staat sprechen konnte. Dort kamen nicht nur Christen hin, sondern auch Studierende aus anderen Bereichen. Vor allem, weil man dort frei sprechen konnte und eine Gemeinschaft fand. Man sprach über theologische Themen, aber immer auch über Probleme als Christ*innen mit Gesellschaft und Staat, Friedensfragen oder Umweltthemen. Die Stasi betrachtet die Studierendengemeinden sehr kritisch, da sie in ihnen potentielle Gegner der SED-Führung sah. Es ist auch davon auszugehen, dass IMs (inoffizielle Mitarbeiter) aus den Reihen der Studenten angeworben wurden. Die Studierendengemeinden waren dennoch maßgeblich am friedlichen Umbruch in der DDR 1989 beteiligt. Quellen: https://www.deutschlandfunkkultur.de/studentengemeinden-in-der-ddr-orte-der-freiheit-100.html ; https://www.kiz-online.de/content/lernorte-der-demokratie | |
T
Tierra unidaDie „Tierra unida“ ist eine Gruppe in der Heilig-Kreuz-Gemeinde Potsdam, die sich mit Themen der Entwicklungsländer beschäftigte. Gegründet wurde sie nach einem Filmabend über Lateinamerika am 10. Januar 1983. Anfänglich beschäftigte man sich hauptsächlich mit humanitärer Hilfe für Länder in Afrika, in denen damals Armut und Hungersnot herrschten. Ab 1984 wurde die Unterstützung für Nikaragua der Schwerpunkt. Um über das Land zu informieren, wurden Filme, ein Theaterstück, eine Ausstellung von Bildern gezeigt und man hatte Gespräche mit Gästen aus Lateinamerika und Musik. Ein weiterer Schwerpunkt von Tierra unida war der Protest gegen die Tagung des Internationalen Währungsfonds und der Weltbank im September 1988 in Westberlin. Diesen Organisationen wurde die Mitschuld an den Problemen der Entwicklungsländer vorgeworfen. Man forderte die DDR-Regierung auf, diese Organisationen nicht zu unterstützen, indem sie den Teilnehmenden Hotelzimmer vermieteten. Tierra unida ist bis heute aktiv.
Quelle: http://lernort-garnisonkirche.de/heilig-kreuz-haus/ | |
V
VikariatDas Vikariat ist der zweite, praktische Teil der evangelischen Pfarrausbildung. Hier erhält man Einblick in alle Felder des Pfarrberufes: Gottesdienste, Gemeindearbeit im Allgemeinen, Religionsunterricht an der Schule, Jugendarbeit, Seelsorge, Kenntnis des Kirchenrechts und die Abläufe in der Pfarramtsverwaltung, Themen der Ökumene, des interreligiösen Dialogs, der Diakonie usw. Quelle: https://www.beruf-trifft-kirche.de/beruf/pfarrerin/vikariat | |
Volkseigener BetriebAls volkseigener Betrieb (VEB) wurden staatliche oder verstaatlichte Betriebe in der DDR bezeichnet. Bereits nach Ende des Zweiten Weltkrieges wurden in der Sowjetischen Besatzungszone und später auch in der DDR viele private Betriebe enteignet und verstaatlicht, also dem Besitzer weggenommen und dem Staat übertragen. Die Grundlage bildete die Vorstellung des Kommunismus, dass ein Betrieb nicht einer Privatperson gehören sollte, sondern allen, also auch den Arbeiter*innen, die darin arbeiten. Oft wurden mehrere VEB zu einem Kombinat zusammengefasst. Quelle: https://www.zeitklicks.de/ddr/das-system/wirtschaft/veb-volkseigener-betrieb | ||
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Walter UlbrichtWalter Ulbricht wurde am 30. Juni 1893 in Leipzig geboren. Er war einer der wichtigsten Politiker in der DDR. Als die Kommunistische Partei Deutschlands (KPD) nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten 1933 verboten wurde, musste er ins Exil gehen und kam 1933 nach Moskau. Nach dem Zweiten Weltkrieg kehrte er mit einer Gruppe Kommunisten nach Deutschland zurück, um dort den Aufbau eines neuen sozialistischen Staates zu leiten. Sie nannten sich die „Gruppe Ulbricht“. 1946 organisierte er den Zusammenschluss von SPD und KPD zur SED. 1950 wurde er Generalsekretär der SED. 1960 wurde er dann zum Staatsratsvorsitzenden und hatte damit nun sowohl den Parteivorsitz als auch den Staatsvorsitz in der DDR inne. Am 15. Juni 1961 sprach Ulbricht während einer Pressekonferenz den denkwürdigen Satz: "Niemand hat die Absicht eine Mauer zu errichten." Kurze Zeit später wurde diese gebaut. 1971 musste er von seinem Amt zurücktreten, weil der die Führungsrolle der Sowjetunion in Frage gestellt hatte und stattdessen die DDR als Vorbild für andere kommunistische Staaten sah. Er starb am 07. August 1973 an den Folgen eines Schlaganfalles. Quelle: https://www.zeitklicks.de/ddr/politik/die-aera-ulbricht/walter-ulbricht weitere Infos: https://de.wikipedia.org/wiki/Walter_Ulbricht | |
Wehrdienst/ArmeeDie Bezeichnung für die Armee in der DDR war NVA – Nationale Volksarmee. Diese wurde offiziell am 1. März 1956 gegründet. Ab 1962 gab es eine Wehrdienstpflicht. Der Grundwehrdienst betrug 18 Monate. Wer nicht zur Waffe greifen wollte, konnte ab 1964 zu den Bausoldaten gehen. Diese wurden auf Druck der Kirchen gegründet. Eine Verweigerung des Militärdienstes war in der DDR nicht möglich. Die SED-Führung übte direkte Kontrolle auf die NVA aus. Fast alle NVA-Mitglieder, die einen hohen Rang hatten, waren Parteiangehörige. Die NVA rekrutierte ständig neue Mitglieder. Auch an den Schulen legte man den älteren Schülern nahe, sich nach dem Grundwehrdienst noch weiter zu verpflichten. Wer an die Erweiterte Oberschule (Gymnasium) gehen wollte, musste sich für einen dreijährigen Wehrdienst verpflichten. 1990 wurde die NVA aufgelöst. Quellen: https://www.jugendopposition.de/lexikon/sachbegriffe/148302/nationale-volksarmee-nva ; https://www1.wdr.de/stichtag/stichtag-nva-ddr-100.html | |
WestpaketeAls Westpakete bezeichnete man Pakete, die Westdeutsche an Familienangehörige oder Freund*innen in die DDR schickten. Diese wurden zu einem wichtigen Kommunikationsmittel zwischen den Menschen im Osten und im Westen. Oft enthielten die Briefe und Pakete aus dem Westen Dinge, die es in der DDR nicht gab. In manchen Familien in der DDR gab es das Ritual, nach dem Abendessen gemeinsam das Westpaket auszupacken. Quelle: https://www.bpb.de/themen/deutschlandarchiv/244718/paeckchen-von-drueben/ | |
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ZivilcourageAls Zivilcourage bezeichnet man den Mut eines Einzelnen, sich für eine Person oder eine Sache einzusetzen, auch wenn es für einen selbst unbequem werden kann. In der DDR galt es als Zivilcourage, wenn man „Nein!“ sagte zu Spitzeltätigkeiten und dazu, die Kolleg*innen, Nachbar*innen, Freund*innen oder gar die eigene Familie auszuspionieren. Wer sich verweigerte, musste mit harten Strafen oder Gefängnis rechnen. Einige hatten aber auch Glück und wurden nicht bestraft. Quellen: https://www.ddr-museum.de/de/blog/archive/ich-habe-nein-gesagt-zivilcourage-der-ddr ; https://de.wikipedia.org/wiki/Zivilcourage | |


