Seit den 1970er-Jahren entstanden in den Kirchengemeinden der DDR
immer mehr Gruppen, die von Gemeindemitgliedern organisiert wurden. Diese
Gruppen arbeiten zu bestimmten Themen und sprachen oft auch Menschen außerhalb
der Kirchgemeinde an. In den 1980er-Jahren wurde das Thema „Frieden“ besonders
wichtig. So entstanden auch die sogenannten Friedenskreise, deren Mitglieder
oft aus unterschiedlichen evangelischen und katholischen Gemeinden kamen. Sie
bezogen Menschen von außerhalb der Kirche mit ein und organisierten über
mehrere Jahre hinweg verschiedene Projekte, führten Friedensandachten durch und
organisierten die Friedensdekaden im November.
In Potsdam gründete sich 1984 ein Friedenskreis aus etwa 20
Mitgliedern, die sich regelmäßig trafen, u. a. im Heilig-Kreuz-Haus. Sie
arbeiteten zu den Themen Frieden, Gerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung und
organisierten verschiedene Aktionen oder nahmen daran teil. Eine wichtige
Aktion war 1985 zum Beispiel eine, bei der Geistliche aus den USA, der Sowjetunion,
Frankreich und Großbritannien eingeladen wurden, um über eine neue
Friedensordnung zu diskutieren.
Die Zusammensetzung des Potsdamer Friedenskreises war etwas
Besonderes, da hier viele Wissenschaftler*innen und Personen in hohen
kirchlichen Stellungen dabei waren. Der Kreis setzte auch auf den Dialog mit
Vertretern des Staates und der SED. Das machte ihn aber für die Stasi
auffällig, die ihn als gefährlich einstufte. Die Mitglieder waren sich bewusst,
dass eventuell Spitzel eingeschleust wurden. Um Misstrauen untereinander zu
vermeiden, ging man sehr offen miteinander um und sprach über alles.