Schwerter zu Pflugscharen

„Schwerter zu Pflugscharen“ war das Symbol der Friedensbewegung in der DDR, die sich seit Ende der 1970e-Jahre entwickelte. Ausgangspunkt der (weltweiten) Friedensbewegung war der Kampf gegen das Wettrüsten der Großmächte USA und Sowjetunion. In den Medien der DDR wurde die militärische Aufrüstung des Ostblocks damit gerechtfertigt, dass man nur mit Waffen (auch Atomwaffen) den Frieden verteidigen könne.

Die Idee zu dem Symbol geht auf zwei Quellen zurück:  Zum einen auf den Propheten Micha aus dem Alten Testament. Er hatte die Idee einer friedlichen Zukunft, in der Schwerter nicht mehr benötigt werden und, statt zum Kämpfen, zur Feldarbeit genutzt werden können. Zum anderen wurde das Symbol in den 1950er-Jahren von der Sowjetunion verwendet. Sie ließ sogar eine Statue anfertigen, die einen Schmied zeigt, der ein Schwert zu einer Pflugschar umschmiedet. Diese Statue war ein Geschenk an die UNO, die sie vor ihrem Hauptgebäude in New York aufstellte.

Das Symbol schien also lange auch in das kommunistische Weltbild zu passen. Die SED akzeptierte, dass es in der Öffentlichkeit gezeigt wurde. Zu Beginn der 1980er-Jahre nutzten es dann die evangelische Kirchen in der DDR für ihre Friedensarbeit. Man ließ es tausendfach auf Stoff drucken und verteilte es in der Bevölkerung. Vor allem Jugendliche nähten sich das Symbol auf ihre Jacken und Taschen.

Damit hatte die SED-Führung die Deutungsmacht über das Symbol verloren und verstand es nun als Kritik gegen ihre Friedenspolitik. Sie ließ das öffentliche Tragen des Aufnähers verbieten. Schüler*innen wurde der Aufnäher von der Polizei von Jacken und Taschen gerissen oder diese eingezogen. Manche Jugendliche wurden deswegen auch verhaftet.

Quelle: Interviews mit Andreas Stegmann

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weitere Infos: https://www.jugendopposition.de/themen/145310/schwerter-zu-pflugscharen  ;  https://www.jugendopposition.de/themen/145332/friedensbewegung-in-der-ddr


» Glossar zur Thematik "Christlich-Sein in der DDR"