Die Kommunalwahlen am 7. März 1989
stellten einen entscheidenden Wendepunkt für die Opposition, also die Gegner
der DDR-Regierung dar.
Offiziell waren die Wahlen in der
DDR geheim und demokratisch. In Wirklichkeit wurde aber erwartet, dass die
Bürger*innen ihre Zustimmung gaben, indem sie den Wahlzettel falteten und
direkt in die Wahlurne gaben, statt vorher in die Wahlkabine zu gehen. Wer
tatsächlich in die Wahlkabine ging und nicht gleich den gefalteten Zettel
abgab, machte sich verdächtig, gegen die Staatsführung zu sein. Die Regeln, wie
man NEIN stimmen konnte, änderten sich von Wahl zu Wahl. Wer nicht zur Wahl
erschien, wurde oft zu Hause aufgesucht und unter Druck gesetzt. All das führte
dazu, die Nationale Front, also der Zusammenschluss der SED mit verschiedenen
anderen Parteien und Organisationen, über 99 % Zustimmung erhielt. Die Wahlen
dienten eigentlich nur dazu, zu zeigen, dass alle Bürger*innen die SED gewählt
haben und diese damit das Recht hat, an der Macht zu sein.
1989 hatte sich die politische
Stimmung allerdings geändert. In Polen und der Sowjetunion war die
Staatsführung zu mehr Transparenz in der Politik bereit. Dadurch fühlte sich
die Opposition in der DDR, die bereits immer stärker wurde, noch mehr
angespornt. Im Vorfeld der Wahlen rief sie dazu auf, dass überall Bürger*innen
die Wahlen und die Auszählung der Stimmen beobachten und protokollieren
sollten. Dies geschah tatsächlich landesweit in über 1.000 Wahllokalen. Das
Ergebnis zeigte deutlich, dass ein Wahlbetrug vorlag. Die offiziellen Zahlen
unterschieden sich erheblich von den Auszählergebnissen der Bürger*innen:
Dieses Mal konnte man beweisen, dass doch viele Wähler*innen mit NEIN gestimmt,
die Wahlkabine genutzt oder die Wahl verweigert hatten. Die Zustimmung zur SED
konnte also niemals so hoch liegen, wie offiziell behauptet wurde. Durch diese
Erkenntnis gestärkt, rief die Opposition in den folgenden Monaten jeweils zum
7. zu Protestaktionen auf. Die des Wahlbetruges war ein wichtiger Schritt im
Zerfallsprozess der DDR bei.