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K

Karrieren/Bildungswege

Als Christ*in in der DDR hatte man es sehr schwer, beruflich weit zu kommen. Schule, Ausbildung, Studium und Arbeit – alles war fast komplett vom SED-Staat organisiert und kontrolliert. Und auf dem Lebensweg wurden oft Anpassung und Bekenntnisse zum Staat verlangt. Christ*innen aber bekannten sich lieber zu ihrem Glauben und ihrer Kirche. Wer sich beispielsweise für die Konfirmation statt für die staatlich organisierte Jugendweihe entschied, wurde oft nicht zum Abitur und damit zum Studium zugelassen. Auch viele Berufszweige waren einem verschlossen. Christ*innen konnten zum Beispiel keine Lehrer*innen werden oder in einer leitenden Position sein. Als Christ*in galt man als politisch und ideologisch unzuverlässig. Wer doch Lehrer*in oder Erzieher*in werden wollte, ließ sich von einer christlichen Organisation ausbilden. Das bedeutete allerdings geringes Ansehen und einen geringeren Verdienst.


Quellen: https://www.uni-erfurt.de/katholisch-theologische-fakultaet/fakultaet/aktuelles/theologie-aktuell/gedenken-an-sed-unrecht-wie-wurden-christinnen-und-christen-in-der-ddr-diskriminiert ; https://www.katholisch.de/artikel/10802-christen-waren-keine-gleichberechtigten-buerger

weitere Informationen: Interview Andreas Stegmann:




Katechet*in

Als Katechet*in bezeichnet man eine*n Religionslehrer*in der evangelischen oder römisch-katholischen Kirche. In der DDR unterrichteten Katechet*innen nicht in den Schulen, sondern in den Kirchgemeinden, da der Religionsunterricht an den Schulen nicht mehr möglich war.

Quellen: https://de.wikipedia.org/wiki/Katechet



Kinderdiakon*in

Ein*e Diakon*in ist ein*e Mitarbeiter*in in der Kirche, der*die sowohl im sozialen wie auch im theologischen Bereich ausgebildet ist. In der DDR durften Christ*innen zum Beispiel keine staatliche Ausbildung zum*zur Kindergärtner*in machen. Stattdessen konnten sie die kirchliche Ausbildung zum*zur Kinderdiakon*in machen und an einem christlichen Kindergarten arbeiten.

Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Diakon#Evangelische_Kirchen



Kirche im Sozialismus

Als „Kirche im Sozialismus“ bezeichnete sich die Evangelische Kirche in der DDR ab 1971.

Da die DDR ein grundsätzlich religionsfeindlicher Staat war, hatten es Christ*innen nicht leicht und wurden oft benachteiligt, trotz Glaubensfreiheit. Die evangelische Kirche in der DDR, die noch zu Beginn gegen die Politik des Staates war, versuchte sich mit diesem zu arrangieren. Sie versuchte, in der DDR zu existieren, auch um Verbesserung für die Gesellschaft zu bewirken.

Mit dem Konzept „Kirche im Sozialismus“ machte man deutlich, dass man nicht gegen und auch nicht für den Sozialismus war, sondern, dass man in dem sozialistischen Staat mitgestalten wollte. Dadurch war die evangelische Kirche auch gleichzeitig ein Sprachrohr für diejenigen in der Gesellschaft, die nicht öffentlich ihre Meinung äußern konnten. Das ging so weit, dass die evangelische Kirche in den 1980er-Jahren Themen wie Menschenrechte, Umweltschutz und Frieden offen ansprach. Dadurch änderte sich aber ihre Stellung wieder: Denn damit kritisierte sie nun die Politik offen und stellte sich damit oft auch gegen den Staat.

Quelle: https://www.staatslexikon-online.de/Lexikon/Kirche_im_Sozialismus

weitere Informationen: Interview mit Andreas Stegmann:




Kirchenpolitik (der SED)

Die Kirchenpolitik der SED wandelte sich im Laufe der DDR-Zeit immer wieder.

Laut der Verfassung der DDR von 1949 waren Kirchen und die Religionsausübung für die Gläubigen erlaubt. Die Christlichen Kirchen blieben eigenständige Organisationen und wurden nicht vom Staat organisiert. Grundsätzlich aber lehnte die SED-Führung Religionen ab. Die Gründe hierfür sind zum einen, dass der Kommunismus, also die Ideologie der DDR, lehrt, dass es keinen Gott gibt. Zum anderen lag es auch daran, dass die Kirche ein Mitspracherecht bei gesellschaftlichen Fragen forderte.

In den 1950er-Jahren war es sehr schwierig für die Christlichen Kirchen in der DDR. Sie wurde in ihrer Verwaltung eingeschränkt, die Kirchensteuern wurden gestrichen. Und die Kirchengemeinden, die Kontakt in den Westen hielten, gerieten unter Spionagevorwurf. Es kam zu einer regelrechten Christenverfolgung, da man Kritik und Widerstand aus den Reihen der Christen befürchtete: Pfarrer*innen kamen ins Gefängnis. Junge Christ*innen wurden gedrängt, sich der staatlichen Jugendorganisation FDJ anzuschließen. Wer nicht von seinem Glauben abrückte, musste mit Nachteilen in Schule und Beruf rechnen. Viele Christ*innen flohen in den Westen.

In den 1960er-Jahren änderte sich Situation der Kirchen. Es kam zu einem scheinbar friedlichen Nebeneinander. Durch den Bau der Mauer 1961 fühlte sich die SED in ihrer Position und Macht gesichert. Dadurch kam es auch zu weniger Konflikten mit den Kirchen.

In den 1970er-Jahren versuchte sich die Evangelische Kirche sogar gegenüber dem Sozialismus zu öffnen. Man strebte eine Partnerschaft zwischen Kirche und Staat an.

Dieser scheinbare Frieden änderte sich in den 1980er-Jahren wieder. Die Kirche wurde nun zum Schutzraum der Opposition und Ausreisewilligen. Das heißt, dass sich in den Gemeinden nun viele Menschen versammelten, die gegen die Staatsführung waren. Es kam wieder zu mehr Konflikten und zu Gewaltaktionen von Seiten der Polizei und der Staatssicherheit.

Quelle: https://www.stasi-unterlagen-archiv.de/mfs-lexikon/detail/kirchen-bekaempfung-und-infiltration-der/ , Interview mit Andreas Stegmann:


Weitere Infos: https://www.wendewundergeschichte.de/Kirche/Einfluss/ ; https://www.wendewundergeschichte.de/Kirche/Staat-vs-Kirche/



Kirchliches Oberseminar

Von 1950 bis 1990 war das heutige Evangelische Gymnasium Hermannswerder das Kirchliche Oberseminar in der DDR. Hier konnten junge Christ*innen das Abitur machen, um damit Theologie zu studieren. Da man als Christ*in oft nicht zum staatlichen Abitur auf der Erweiterten Oberschule zugelassen wurde, waren solche Schulen wie das Oberseminar Hermannswerder die einzige Möglichkeit, dennoch die Allgemeine Hochschulreife zu erlangen.

Quelle: https://www.tagesspiegel.de/potsdam/landeshauptstadt/als-manfred-stolpe-nickte-7631515.html

Weitere Infos: https://www.evgym.de/schule/geschichte-der-schule/ ; https://de.wikipedia.org/wiki/Evangelisches_Gymnasium_Hermannswerder



Kombinat

Die Kombinate in der DDR waren Zusammenschlüsse von staatlichen Betrieben – sogenannten Volkseigenen Betrieben (VEB). In einem Kombinat kamen Betriebe zusammen, die die gleichen Dinge herstellten oder verkauften. Man fasste also Herstellung, Vertrieb und Forschung in einem Großunternehmen zusammen. Damit sollte die DDR in der Weltwirtschaft mithalten können. Das gelang nur teilweise. Das lag zum einen daran, dass viele Betriebe schon stark veraltet waren und zum anderen, dass die Kombinate von der Regierung stark überwacht wurden. Dadurch wurde ein eigenständiger Fortschritt nur schwer möglich.

Quellen: https://www.mdr.de/geschichte/ddr/wirtschaft/planwirtschaft-kombinate-alles-unter-einem-dach-100.html ; https://de.wikipedia.org/wiki/Kombinat



Kommunalwahl am 7. März 1989

Die Kommunalwahlen am 7. März 1989 stellten einen entscheidenden Wendepunkt für die Opposition, also die Gegner der DDR-Regierung dar.

Offiziell waren die Wahlen in der DDR geheim und demokratisch. In Wirklichkeit wurde aber erwartet, dass die Bürger*innen ihre Zustimmung gaben, indem sie den Wahlzettel falteten und direkt in die Wahlurne gaben, statt vorher in die Wahlkabine zu gehen. Wer tatsächlich in die Wahlkabine ging und nicht gleich den gefalteten Zettel abgab, machte sich verdächtig, gegen die Staatsführung zu sein. Die Regeln, wie man NEIN stimmen konnte, änderten sich von Wahl zu Wahl. Wer nicht zur Wahl erschien, wurde oft zu Hause aufgesucht und unter Druck gesetzt. All das führte dazu, die Nationale Front, also der Zusammenschluss der SED mit verschiedenen anderen Parteien und Organisationen, über 99 % Zustimmung erhielt. Die Wahlen dienten eigentlich nur dazu, zu zeigen, dass alle Bürger*innen die SED gewählt haben und diese damit das Recht hat, an der Macht zu sein.

1989 hatte sich die politische Stimmung allerdings geändert. In Polen und der Sowjetunion war die Staatsführung zu mehr Transparenz in der Politik bereit. Dadurch fühlte sich die Opposition in der DDR, die bereits immer stärker wurde, noch mehr angespornt. Im Vorfeld der Wahlen rief sie dazu auf, dass überall Bürger*innen die Wahlen und die Auszählung der Stimmen beobachten und protokollieren sollten. Dies geschah tatsächlich landesweit in über 1.000 Wahllokalen. Das Ergebnis zeigte deutlich, dass ein Wahlbetrug vorlag. Die offiziellen Zahlen unterschieden sich erheblich von den Auszählergebnissen der Bürger*innen: Dieses Mal konnte man beweisen, dass doch viele Wähler*innen mit NEIN gestimmt, die Wahlkabine genutzt oder die Wahl verweigert hatten. Die Zustimmung zur SED konnte also niemals so hoch liegen, wie offiziell behauptet wurde. Durch diese Erkenntnis gestärkt, rief die Opposition in den folgenden Monaten jeweils zum 7. zu Protestaktionen auf. Die des Wahlbetruges war ein wichtiger Schritt im Zerfallsprozess der DDR bei.

Quelle: https://www.bpb.de/kurz-knapp/hintergrund-aktuell/290562/wahlbetrug-1989-als-die-ddr-regierung-ihre-glaubwuerdigkeit-verlor/



Kommunismus in der DDR

Die Idee des Kommunismus stammt von Karl Marx (1818 – 1883). Er wollte, dass allen Menschen alles zu gleichen Teilen gehört. Es sollten alle gleichgestellt sein und kein Mensch allein sollte über andere herrschen.

Er beschrieb eine Gesellschaftsform, in der alle gleich sind, es keinen Privatbesitz mehr gibt und vor allem keinen Staat und keine Regierung mehr.

Die Umsetzung war allerdings nicht so optimal. In der DDR waren zum Beispiel nicht alle Menschen gleich. Die SED bestimmte, was getan und auch, was gedacht werden sollte. Wer sich nicht daran hielt, gegen den ging der Staat vor. Um also als „gleich“ behandelt zu werden, musste man sich dem Staat im Denken und Handeln anpassen. Vielfalt sollte es nicht geben dürfen.

Quelle: https://www.kinderweltreise.de/lexikon/k/kommunismus/



Konfirmation

Mit der Konfirmation bekennen sich junge Christ*innen zu ihrem Glauben. In einem festlichen Gottesdienst werden sie in die Gemeinde aufgenommen. In der DDR wurde 1954 das staatliche Gegenangebot zur Konfirmation eingeführt: die Jugendweihe.

In der DDR hatte es einige Nachteile, wenn man sich konfirmieren ließ. Man konnte oft nicht auf die Erweiterte Oberschule (EOS) gehen, kein Abitur machen, nicht studieren. Somit war auch die Berufswahl eingeschränkt. Manche wurde auch in der Schule benachteiligt oder lächerlich gemacht. Es war aber möglich, mit 14 Jahren die Jugendweihe zu erhalten und ein Jahr später die Konfirmation. Viele Jugendliche entschieden sich für diesen Weg.

Quelle: https://www.ekd.de/Konfirmation-11035.htm