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S

Schutzraum Kirche

In den 1980er-Jahren wurden die christlichen Kirchen in der DDR zum Schutz- und Aktionsraum für Menschen, die sich für Umwelt, Menschenrechte und Frieden einsetzen wollten. Es bildeten sich verschiedene Gruppen, zu denen auch Nichtchrist*innen zählten.

Die Kirchen waren für Friedensgruppen und andere der ideale Ort. Zum einen boten sie Versammlungsräume, Heizung, Küche, Toiletten etc. Zum anderen war man hier relativ sicher vor Zugriffen durch die Polizei. Sollte diese einmal auf solch eine Versammlung aufmerksam geworden sein, konnte der Pfarrer dort anrufen und erklären, dass es eine kirchliche Veranstaltung sei und die Polizei dort nicht erwünscht sei.

Solang die Anliegen der Oppositionsgruppen also irgendwie in Verbindung mit dem kirchlichen Auftrag gebracht werden konnten, konnten die Pfarrer diese immer unterstützen und gegenüber den staatlichen Stellen rechtfertigen. 

Quelle: https://www.politische-bildung-brandenburg.de/themen/ddr/revolution-9-november-1989/potsdam-1989 , Interview Andreas Stegmann:




Schwerter zu Pflugscharen

„Schwerter zu Pflugscharen“ war das Symbol der Friedensbewegung in der DDR, die sich seit Ende der 1970e-Jahre entwickelte. Ausgangspunkt der (weltweiten) Friedensbewegung war der Kampf gegen das Wettrüsten der Großmächte USA und Sowjetunion. In den Medien der DDR wurde die militärische Aufrüstung des Ostblocks damit gerechtfertigt, dass man nur mit Waffen (auch Atomwaffen) den Frieden verteidigen könne.

Die Idee zu dem Symbol geht auf zwei Quellen zurück:  Zum einen auf den Propheten Micha aus dem Alten Testament. Er hatte die Idee einer friedlichen Zukunft, in der Schwerter nicht mehr benötigt werden und, statt zum Kämpfen, zur Feldarbeit genutzt werden können. Zum anderen wurde das Symbol in den 1950er-Jahren von der Sowjetunion verwendet. Sie ließ sogar eine Statue anfertigen, die einen Schmied zeigt, der ein Schwert zu einer Pflugschar umschmiedet. Diese Statue war ein Geschenk an die UNO, die sie vor ihrem Hauptgebäude in New York aufstellte.

Das Symbol schien also lange auch in das kommunistische Weltbild zu passen. Die SED akzeptierte, dass es in der Öffentlichkeit gezeigt wurde. Zu Beginn der 1980er-Jahre nutzten es dann die evangelische Kirchen in der DDR für ihre Friedensarbeit. Man ließ es tausendfach auf Stoff drucken und verteilte es in der Bevölkerung. Vor allem Jugendliche nähten sich das Symbol auf ihre Jacken und Taschen.

Damit hatte die SED-Führung die Deutungsmacht über das Symbol verloren und verstand es nun als Kritik gegen ihre Friedenspolitik. Sie ließ das öffentliche Tragen des Aufnähers verbieten. Schüler*innen wurde der Aufnäher von der Polizei von Jacken und Taschen gerissen oder diese eingezogen. Manche Jugendliche wurden deswegen auch verhaftet.

Quelle: Interviews mit Andreas Stegmann

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weitere Infos: https://www.jugendopposition.de/themen/145310/schwerter-zu-pflugscharen  ;  https://www.jugendopposition.de/themen/145332/friedensbewegung-in-der-ddr



SED (Sozialistische Einheitspartei Deutschlands)

Die Sozialistische Einheitspartei Deutschlands war die führende Partei in der DDR.

Sie wurde 1946 durch den Zusammenschluss der KPD (Kommunistische Partei Deutschlands) und der SPD (Sozialdemokratische Partei Deutschlands) gegründet.

Die SED hatte das Sagen in allen Bereichen von Politik, Wirtschaft und Gesellschaft.

Der Zusammenschluss mit anderen Parteien und Massenorganisationen zur Nationalen Front sicherte der SED, dass sie immer wiedergewählt wurde. Sie blieb bis 1990 an der Macht. Dazu trug auch das Wahlverfahren bei, bei dem ein gefalteter und in die Wahlurne geworfener Wahlzettel als Zustimmung zur SED galt, ohne dass man tatsächlich gewählt hatte. Die Bevölkerung hatte eigentlich keine Wahl. Wer sich öffentlich gegen die SED aussprach, musste mit Einschränkungen, Strafen, Verfolgung und sogar Haft rechnen.

Quelle: https://www.bpb.de/kurz-knapp/lexika/politiklexikon/18236/sozialistische-einheitspartei-deutschlands-sed/



Sozialistische Persönlichkeit

Die sozialistische Persönlichkeit war das Ziel der SED bei ihrer Erziehung der Menschen zu treuen Staatsbürgern. Dabei verbreitete sie ein idealisiertes sozialistisches Menschenbild.

Folgende Eigenschaften und Fähigkeiten sollte eine sozialistische Persönlichkeit haben, die zum Wohle des Staates eingesetzt werden sollten: vielseitiges Wissen und Können, ausgeprägtes sozialistisches Bewusstsein, , moralisches Verhalten nach sozialistischen Maßstäben und insgesamt eine positive und optimistische Lebensauffassung. Sie sollte zudem arbeitsam, stets diszipliniert, kulturell und sportlich interessiert sein. Die kapitalistischen Verhältnisse sollten überwunden werden um eine gerechte, soziale und freie Gesellschaft zu erschaffen. Die Individualität spielte dabei keine Rolle. Die gesellschaftlichen Interessen sollten über die persönlichen gestellt werden. Alle staatlichen Einrichtungen trugen dazu bei.


Sprengung der Garnisonkirche

Die Garnisonkirche in Potsdam wurde im April 1945 bei einem Luftangriff getroffen, brannte aus und der Turm stürzte teilweise zusammen. 1949 erhielt die zerstörte Kirche den Namen „Heilig-Kreuz-Kirche“. Es war nun eine zivile Kirche. 1950 wurde die Kapelle im Turm geweiht. Somit gab es wieder ein Gotteshaus für die Heilig-Kreuz-Gemeinde.

Die Gemeinde wollte den Turm und die Kirche weiter sichern und sanieren, doch der Staat stoppte das Sanierungsvorhaben. Nachdem die Gemeinde erfuhr, dass der Turm gesprengt werden sollte, kämpfte sie noch dagegen an, doch vergebens. Der Turm wurde am 23. Juni 1968 gesprengt, nachdem die erste Sprengung misslang.

Die Gründe dafür, dass Kirchentürme abgerissen oder gesprengt werden sollten, nannte der SED-Vorsitzende Walter Ulbricht bereits 1952 in seiner sogenannten „Turmrede“: Die städtischen Gebäude, wie Rathäuser oder Kulturhäuser, sollen schöne Türme bekommen. Die Türme von Kirchen brauche man dagegen nicht mehr.

Quellen: https://www.tagesspiegel.de/potsdam/landeshauptstadt/untergang-eines-wahrzeichens-7827193.html ; https://garnisonkirche-potsdam.de/aktuell/news/detail/sie-haben-alles-in-schutt-und-asche-gelegt/https://wissen.garnisonkirche.de/wissensspeicher/detailansicht/walter-ulbrichts-turmrede/

weitere Infos: https://wissen.garnisonkirche.de/wissensspeicher/detailansicht/walter-ulbrichts-turmrede/ ; https://wissen.garnisonkirche.de/wissensspeicher/detailansicht/die-letzten-farbfotos-der-garnisonkirche-potsdam/



Staatliche Nachrichten/Zensur

Sämtliche Medienerzeugnisse in der DDR, ob Publikationen wie Zeitungen oder Bücher, Radio- oder Fernsehsendungen, wurden vom Staat kontrolliert. Das nennt man Zensur. Bis 1949 stand in der Verfassung der DDR, dass keine Zensur stattfinde. Dieser Artikel wurde aber 1969 gestrichen.

Die Zensur wurde von staatlichen und regionalen Behörden und vom Ministerium für der Staatssicherheit durchgeführt. Es wurden sogar Gesetze geschaffen, um unerwünschte Äußerungen bestrafen zu können.

Die Massenmedien wurden von der Abteilung Agitation (Stasi) gelenkt. Agitation bedeutet Beeinflussung von anderen. Von dieser Abteilung wurde alles vorgegeben, was in Zeitungen, Radio und Fernsehen berichtet wurde.

Ab Dezember 1952 gab es die tägliche Nachrichtensendung „Aktuelle Kamera“, die verkündete, was die Staatsführung vorgab und die SED-Politik stets als richtig und erfolgreich bewertete. Kritik an den politischen Entscheidungen war hingegen nicht zu hören oder zu lesen. Es wurde nichts über Probleme bei der Versorgung bspw. mit Lebensmittel, in der Wirtschaft usw. gemeldet. Also nichts, was dem Ansehen des Staates geschadet hätte, sondern nur das, was den Interessen der Herrschenden genutzt hat. Eine politische Opposition war nicht erlaubt.

Die Zensur geriet aber unter anderem an ihre Grenzen, weil viele DDR-Bürger*innen Radio- und später TV-Sendungen aus der BRD empfangen konnten und dort natürlich andere Dinge hörten und sahen, als in der DDR. Sie konnten sich so auch aus einer anderen Perspektiven ein Urteil über das Weltgeschehen bilden.

Quelle: https://www.bpb.de/shop/zeitschriften/izpb/massenmedien-309/7560/blick-ueber-die-mauer-medien-in-der-ddr/

weitere Infos: https://www.bpb.de/themen/medien-journalismus/deutsche-fernsehgeschichte-in-ost-und-west/245391/fernseh-nachrichtensendungen/ ; https://www.zeitklicks.de/ddr/das-system/ueberwachung-und-unterdrueckung/zensur/



Studierendengemeinde

Überall in der DDR, wo studiert werden konnte, gab es Studierendengemeinden (damals „Studentengemeinden“) der Kirchen, sowohl katholische, als auch evangelische. Es waren geschützte Orte, an denen man sich versammeln, diskutieren und auch über Probleme mit dem Staat sprechen konnte.

Dort kamen nicht nur Christen hin, sondern auch Studierende aus anderen Bereichen. Vor allem, weil man dort frei sprechen konnte und eine Gemeinschaft fand. Man sprach über theologische Themen, aber immer auch über Probleme als Christ*innen mit Gesellschaft und Staat, Friedensfragen oder Umweltthemen.

Die Stasi betrachtet die Studierendengemeinden sehr kritisch, da sie in ihnen potentielle Gegner der SED-Führung sah. Es ist auch davon auszugehen, dass IMs (inoffizielle Mitarbeiter) aus den Reihen der Studenten angeworben wurden.

Die Studierendengemeinden waren dennoch maßgeblich am friedlichen Umbruch in der DDR 1989 beteiligt.

Quellen: https://www.deutschlandfunkkultur.de/studentengemeinden-in-der-ddr-orte-der-freiheit-100.html ; https://www.kiz-online.de/content/lernorte-der-demokratie